Das habe ich mir zu verdanken

Kennt ihr diese Dankesreden von Schauspielern und Musikern wenn sie irgendeinen Preis entgegen nehmen? Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, ohne die ich das hier nicht geschafft hätte. Ich liebe euch!

Hört sich gut an, oder?

Aber wenn ich mal gefragt werde, wem ich mein bisheriges Leben zu verdanken habe, dann werde ich so etwas nicht sagen können. Alles was ich bisher geschafft habe, alles was ich bisher vergeigt habe, habe ich mir selbst zuzuschreiben.

Heute Abend lag die Juni Ausgabe der Barbara vor meiner Tür und ich habe aus langweile ein wenig darin geblättert. Ich fand einen Artikel mit dem Titel „Das schaffst du doch sowieso nicht“. Ein Satz, den ich auch oft gehört habe. Von meiner Mutter als ich Mathe nicht verstehen wollte. Von meinem Lehrer, der mich bat nicht aufs Gymnasium zu wechseln weil er dann zu einem bestimmten Termin noch eine Klausur hätte stellen müssen. „Das Mädel braucht kein Abitur, das wird mal gut verheiratet“, war die Meinung meines konservativen Großvaters.

Als meine Eltern starben, übernahm die Rolle des Motivators mein Onkel. Einen Mann, mit dem ich bis dahin kaum etwas zutun hatte, da er und meine Eltern sich nicht verstanden. Laut ihm hätte ich meinen Realschulabschluss nie und nimmer so gut bestehen können. Schließlich waren seine Töchter Überflieger.

Meinen Abschluss habe ich im Schlaf gemacht. Dann begann ich die Ausbildung. „Du brichst sowieso ab“, sagten meine Exfreundin und ihre Mutter. Ich beendete die Berufsschule als Stufenbeste.
Dann entschied ich mich, doch noch mein Abitur zu machen. Mit 25 in die Oberstufe zu wechseln ist nicht gerade einfach. Mit 25 und ohne elterliche Unterstützung ist es hart. Aber auch das habe ich geschafft – wieder als Stufenbeste. Mein Jurastudium hab ich selbst verkackt. Auch deswegen, weil ich mich in das Studium habe hinein reden lassen. „Du kannst so gut mit Worten umgehen, studiere doch Jura!“, oder „Du hast doch schon eine Ausbildung als ReNo, da passt doch Jura so gut!“, hörte ich von den Eltern meines Exfreundes. Dabei habe ich schon von Anfang an gemerkt, dass es nicht das richtige ist. Im ersten Semester bin ich regelmäßig in den Vorlesungen eingeschlafen – aber anstatt mir zu vertrauen dachte ich, ich müsste es durchziehen. Es dauerte 4 weitere Semester, bis ich endlich für mich selbst einstand und mein Studienfach wechselte – und meinen Bachelor of Arts machte.

Bei mir ist nicht alles schwarz und weiß. Mein Lebenslauf ist nicht gradlinig – er passt nicht auf eine Seite. Mein Lebenslauf ist dennoch gut, eben weil er mehr bietet!

Und ich habe gelernt, dass ich auf mich vertrauen kann. Wenn ich etwas wirklich will, dann schaffe ich es. Dieses Wissen, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es nur will, ist viel wert. Leider hat es fast 20 Jahre gedauert, bis ich diese Erkenntnis verinnerlichte. Zumindest motiviert sie mich jetzt.


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