Eine Sonderbefragung des Hochschulverbandes des Stifterverbands und der Heinz-Nixdorf-Stiftung von 168 Hochschulen hat ergeben, dass knapp 90 % der Universitäten sich gut oder „eher gut“ für einen Online-Lehrbetrieb gerüstet sehen. Dann muss sich meine Hochschule unter den restlichen rd. 10 % befinden.

In diesem Semester habe ich 5 reguläre Veranstaltungen aus 3 Fakultäten belegt. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, bei der ich die Vorlesung Organisation und Personal für Nicht-Ökonomen belegt habe, lädt Videos mit vertonten Powerpoint-Präsentationen hoch. Was sich als genauso langweilig herausstellte, wie es sich anhört. Dem Dozenten fehlt eindeutig ein menschliches Gegenüber, denn monoton ist noch gar kein Ausdruck für die Qualität der Vertonung. Zudem lässt sich in der heutigen Zeit durchaus darüber streiten, wie sinnvoll Vorlesungen überhaupt noch sind.

Die Juristische Fakultät, bei der ich die Vorlesung Wirtschaftsrecht besuche, findet via Zoom-Webinar statt. Der Live-Aspekt sorgt natürlich für einige interessante Gegebenheiten. So sitzt der Dozent in seinem Homeoffice, redet 1,5 Stunden und beantwortet Fragen aus dem Chat. Alle anderen Teilnehmer bleiben verborgen und stumm. Wenigstens ist hier der Vorteil, dass ich niemandem zeigen muss, wie ich in Jogginghosen in meinem Arbeitszimmer sitze.

Anders sieht es in den drei übrigen Seminaren der Philosophischen Fakultät aus. Zwei von dreien finden über die Webanwendungen Cisco Webex und Rocket.Chat statt – inklusive Ton und Bild. Da ich nicht möchte, dass jeweils 20–30 Personen, denen ich vorher wahrscheinlich noch nicht begegnet bin, wissen, wie mein Arbeitszimmer aussieht, werde ich wohl an einem Hintergrund arbeiten müssen. Obwohl seit Tagen bekannt war, dass das Online-Semester am 20. April startet, wurden Einzelheiten teilweise erst einen Tag vorher mitgeteilt.

Ach wäre es schön, wenn man ein einheitliches System für alle Fakultäten – und auch innerhalb der einzelnen Fakultäten gefunden hätte. Aber digitale Lehre ist (zumindest an meiner Hochschule) definitiv noch Neuland.