Können Essensboxen nachhaltig sein? Meine Erfahrung mit Hello Fresh

Können Kochboxen nachhaltig sein? Meine Erfahrung mit Hello Fresh

In Kooperation mit TRND hatte ich vor kurzem die Möglichkeit, eine Box von Hello Fresh zu testen. Zwar hatte mich das Angebot in den letzten Jahren immer wieder gereizt, aber der Preis, den Müll, den ich mit so einer Box erwartet hatte, sowie den vermeintlich kleinen Portionen hatten mich immer davon abgehalten.

Nun bekam ich die Box gratis, inkl. Lieferung und konnte zumindest hier über meinen eigenen Schatten springen und eine Box bestellen. Mein Mann und ich entschieden uns für 4 Gerichte á 2 Portionen, die als Label „High Protein“ hatten. Wir wollten Gerichte testen, die wir im Normalfall nicht selbst Zuhause kochen würden. So landeten

  • Seehecht mit Tomaten-Auberginen-Gemüse,
  • Thailändisches Kokos-Limetten-Curry,
  • Pikant mariniertes Rindersteak mit Zucchini und
  • Rauchiges Schweinefilet mit cremigen Kartoffelstampf

in unserer ersten Box.

Unsere Erfahrung

Geliefert wurde unsere Hello Fresh Box per Kurier – und das auf die Minute genau. Der Liefertermin wurde am Tag vorher bekannt gegeben. In welchem Zeitrahmen die Box geliefert werden soll, wird natürlich beim Bestellvorgang abgefragt. Dies ist wichtig, da es sich bei den Lebensmitteln auch um gekühlte Produkte handeln können, die natürlich nicht ewig im Hausflur rumstehen sollen – oder beim Nachbarn vergammeln.

Jedoch lief bei unserer Box nicht alles glatt

Am Tag vor der Lieferung bekamen wir mehrere Mails von Hello Fresh

  • Bei zwei von vier Gerichten fehle jeweils eine Zutat.
  • Zudem wurden die falschen Rezeptkarten in die Box gefüllt. Anstelle der regulären Rezeptkarten habe man mir leider die Thermomix-Rezeptkarten eingepackt. Ich müsse mir daher die Rezepte in der App anzeigen lassen.
  • Außerdem wäre das MHD des Hähnchenbrustfilets falsch ausgezeichnet worden.

Das hat uns jedenfalls schon einmal geärgert. Gerade für eine Promoaktion hätten wir hier mehr erwartet. Allerdings hatte man uns umsonst in Aufregung versetzt.

Bis auf die falschen Rezeptkarten waren alle Zutaten vorhanden – und richtig ausgezeichnet. Dennoch hat man uns eine 6 € Gutschrift für eine mögliche zweite Box als „Entschuldigung“ gutgeschrieben.

Die Box kam unversehrt bei uns an – das konnten einige Mittester nicht behaupten. Dort war die Verpackung teilweise beschädigt und Zutaten dadurch unbrauchbar. Gerade bei dem Versprechen, dass es bei Hello Fresh keine Lebensmittelverschwendung gibt, ist dies natürlich ein No-Go. Hier sollte man sich eventuell im Vorfeld erkundigen, mit welchem Lieferdienst die Box zugestellt wird – ob mir einem Kurier oder z.B. DPD.

Verpackung

Als die Box kam, war ich natürlich insbesondere auf die Verpackung gespannt: Wie viel Müll würde tatsächlich anfallen?

Es fielen genau 3 Müllkategorien an: Papier-, Plastik-, und Biomüll. Es wanderte nichts in die Restmülltonne. So ist die Verpackung zu 100% recyclebar. Das Gemüse sowie der Reis waren in Papiertüten verpackt, lediglich der Käse und das Fleisch waren in Folie eingeschweißt – eine gute Alternative würde mir hier aber auch nicht einfallen. Auch die Kühltasche war aus Papiermaterial und konnte über den Papiermüll recycelt werden. Biomüll fiel kaum an, lediglich die Wurzelpartie einer Zwiebel oder die Schale der Kartoffeln blieben übrig.

Exkurs:

Gemüsereste kann man hervorragend sammeln und einfrieren, um später daraus eine Gemüsebrühe zu kochen. So haben auch Kartoffel- und Zwiebelschalen eine gute Verwendung und man schmeißt nichts unnötig weg.

Auch die Portionen waren mehr als ausreichend und meine Angst, man würde nicht satt, hat sich in keiner Weise bestätigt. Und dank der sehr guten Rezepte konnten wir uns ohne Probleme in der Küche betätigen und hatten keinerlei Stress. Lediglich einmal mussten wir improvisieren. Das Rezept für das Curry haben wir auch in der App nur als Thermomix-Rezept gefunden. Da ich allerdings durchaus erfahren in der Küche bin, stellte das kein Problem dar. Wer jedoch die Kochboxen auch als Einstieg fürs Selberkochen nutzen möchte, und wenig Erfahrung hat, dürfte hier schon Schwierigkeiten bekommen.

Nachhaltige Produkte?

Aber kann eine Lieferung tatsächlich nachhaltig sein? Das ist ein Versprechen, mit dem Hello Fresh aktiv wirbt. Die frischen Produkte würden „je nach Saison so regional wie möglich“ bezogen werden und die Herkunft der tierischen Lebensmittel können mit Hilfe eines QR-Codes zurückverfolgt werden. Dabei kommen alle Zutaten ohne Palmöl, Geschmacksverstärker, künstlichen Farbstoffen und künstlichen Aromen aus.

Hier ist allerdings auch wichtig, dass man selbst einen Blick für die benötigten Zutaten bei den Gerichten entwickelt. Kokosmilch, Reis und Ingwer, Paprika, Tomaten und Zucchini sind aktuell keine Saisonware und müssen importiert oder in Gewächshäusern gezüchtet werden. Aber auch hier muss man sich selbstkritisch fragen: Achte ich ansonsten auch auf rain saisonale Gemüse- und Obstsorten? Wahrscheinlich muss diese Frage verneint werden.

Um die durch Hello Fresh unmittelbar verursachte CO2-Emission zu kompensieren, wurden im ersten Schritt insbesondere in den Bereichen Transport und Verpackung der Ausstoß von Planetly berechnet. Planetly ist ein Berliner Technologieunternehmen, dass u.a. Firmen bei der Berechnung ihrer CO2-Emissionen und bei der Einführung von Kompensationsmaßnahmen unterstützt. Nach eigener Aussage investiert Hello Fresh in verschiedene Klimaschutzprojekte u.a. in der Schweiz, in Peru und in den Niederlanden. So ist Hello Fresh seit 2020 klimaneutral. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Hello Fresh keinerlei Emissionen verursache, aber dass die verursachten Emissionen durch andere Maßnahmen kompensiert werden – zum Beispiel durch Aufforstung.

Da bei Hello Fresh die Zutaten grammgenau abgewogen werden, verspricht das Unternehmen 33 % weniger Lebensmittelabfall pro Portion. Da grammgenau geliefert wird, wird nur das an Zutaten eingekauft, was tatsächlich auch bestellt wurde. Wer nun noch mehr auf Nachhaltigkeit achten möchte, hat zudem die Möglichkeit, Rezepte auszuwählen, die mit dem Label „Klimaheld“ versehen sind. Diese Gerichte sollen 50 % weniger CO2-Emissionen verursachen als die regulären Rezepte.

Eine dauerhafte Sache?

Ob wir noch einmal bei Hello Fresh bestellen, steht noch nicht fest. Zwar hat uns das Konzept sehr gut gefallen und die Gerichte waren allesamt einfach zu kochen, sehr lecker und von den Portionen her völlig ausreichend. Aber insgesamt sind die Boxen doch recht teuer. Hier muss man gegenrechnen und sich selbst fragen:

  • Wie viel gebe ich regulär für den Wocheneinkauf aus?
  • Was kostet mich der Wocheneinkauf an Zeit und gegebenenfalls an Sprit?
  • Wie viel bleibt normalerweise an Lebensmittel übrig, weil ich nicht die exakte Menge für ein Gericht kaufen konnte?
  • Wie viele Lebensmittel / Reste schmeiße ich im Endeffekt weg?
  • Habe ich die Möglichkeit, die Verpackung zu recyclen?

Zudem handelt es sich bei Hello Fresh um ein Abo-Modell. Natürlich ist es möglich, dass man auch nur eine Box bestellt – dafür muss man aber nach der ersten Bestellung die Lieferung stoppen. Wer das vergisst, bekommt in der nächsten Woche automatisch die nächste Box. Anpassungen bei der Anzahl der gelieferten Gerichte oder Portionen sind aber selbstverständlich möglich.

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