Stereotypen und die Bedeutung von Repräsentation [Gastbeitrag]

Ayleen machte 2021 ihren BA in Soziale Arbeit und ist aktuell im Social Media Team vom Andersraum e.V. in Hannover, einem Verein von/für queere Menschen in Hannover, tätig. Insbesondere macht sie sich in der Empowerment- und Antidiskriminierungsarbeit sowe in der Politischen Bildung stark. Zudem startet sie Ende des Jahres eine Ausbildung zur Diversity Trainerin.


Wer wird benannt?

Eine These zum Anfang: Menschen sind vielfältig und besonders in globaler Betrachtung. Diese Diversität ist auch grundsätzlich positiv, bereichernd und machen das Leben erst interessant. Logischerweise ist Vielfalt jedoch nicht gleichmäßig verteilt; individuelle Konflikte, geographische Gegebenheiten, technischer Fortschritt, historische Entwicklungen (bspw. Kolonialismus) führten und führen dazu, dass gewisse Ausgestaltungen dieser Vielfalten in einigen Teilen der Erde häufiger auftreten als in anderen.

Wenn ich einfach nur „der Mensch“ sage, ein einzelner Mensch – an was für eine Art Mensch denkt ihr? Ist dieser weiblich oder männlich? Dünn oder dick? Lange oder kurze Haare? Gebildet oder ungebildet? Behindert oder nicht? Heterosexuell oder homosexuell?

Lebt mensch heutzutage in Europa, so ist die Wahrscheinlichkeit bspw. sehr hoch, dass mensch selbst einer christlichen Religion angehört oder zumindest die Gesellschaft um die eigene Person herum sehr christlich geprägt ist. Höchstwahrscheinlich haben die meisten Menschen hier auch eine hellere Hautfarbe – das ist die Norm. So zeigt sich schon hier, dass „normal“ kein Fakt ist, sondern eine Wahrnehmung dessen, was „richtig“ ist.

Der sogenannte „Norm-Menschen“ beschreibt einen Menschen mit Attributen, die als Norm verstanden werden: Weißsein, physische und psychische Gesundheit, Heterosexualität, christliche und westliche Sozialisation sind nur einige jener Aspekte, die demnach als „erstrebenswert“ gelten. Sie verleihen Privileg, denn jedwede Abweichung bedeutet Diskriminierungspotential für das Individuum; gerne auch intersektional, d.h. im Zusammenspiel zweier oder mehrerer Diskriminierungsformen.

Gucken wir mal auf das Beispiel „Schimpfwörter aufgrund des Geschlechts“: Wie viele Schimpfwörter kennt ihr für Frauen? Schlampe? Zicke? Fotze, Emanze, Tussi, Hure, Hexe, Nutte, Feminazi, Rabenmutter, Mannsweib – tut euch sich keinen Zwang an, die Liste zu erweitern. Was viele Schimpfwörter kennt ihr für Männer? Muttersöhnchen? Rabauke? Tunte, Wichser? Ist „Schwein“ überhaupt ausschließlich für Männer? Und ist „Macker“ eher ein Schimpfwort oder ein Kompliment?

Grobes Fazit ist, dass das „Normal“ deutlich weniger Angriffsfläche hat und wenn Beleidigungen vorliegen, dann tendenziell weniger häufig und weniger schwerwiegend. Ähnlich verhält es sich mit allen anderen Diskriminierungsformen: Schimpfwörter für queere Personen vs. heterosexuelle, behinderte vs. nicht-behinderte, weiße Hautfarbe vs. jedwede andere Hautfarbe. Der Norm-Mensch eckt nicht an, ist in sich für das Norm-Mensch-Publikum nicht kontrovers und eben das: Normal. So ist er auch meist Darsteller und Held in Film und Fernsehen.

Kübra Gümüşay behandelt in ihrem Buch „Sprache und Sein“ nach eigener Aussage die „Wechselbeziehungen zwischen Sprache und politischer Unmenschlichkeit“ (Gümüşay 2021: 25). Sie arbeitet heraus, inwiefern Sprache die Wahrnehmung von „Wirklichkeit“ beeinflussen kann und zwar sowohl in erweiternder, als auch begrenzender Art und Weise.

Die beiden Gruppen, die Norm-Menschen und „die Anderen“, benennt Gümüşay in einer gelungenen Metapher (vgl. 2021: 53-55) als die Unbenannten und die Benannten: Die Unbenannten gehören der Norm an, sie unterliegen keinen strukturellen Diskriminierungen und müssen keinerlei „Anderssein“ gegenüber der Gesellschaft erklären, geschweige denn sich selbst hinterfragen. Sie sind gut, so wie sie sind. Ihnen gegenüber stehen die Benannten, denen all jene Selbstverständlichkeit nicht zugestanden werden: Ihr „Anderssein“ wird von den Unbenannten hervorgehoben und sie haben sich ihre Akzeptanz TROTZ jener Aspekte zu erkämpfen, müssen sie erklären und (wenn möglich) ablegen, sich an dem Normmenschen orientieren. Lieblingsfrage von jeder einzelnen Person, die nicht weiß ist oder der jedwede andere vermeintliche Ethnie oder nationale Herkunft als „Deutsch“ angedichtet wird, obwohl sie in Deutschland aufgewachsen und erzogen wurde: Und wo kommst du her? Dies kostet Betroffene nicht nur tagtägliche Anstrengung, sondern raubt sie auch ihrer individuellen Entfaltungsfreiheit und Selbstständigkeit, da sie grundsätzlich als Außenstehende verstanden und behandelt werden (wenn nicht Schlimmeres).

Es zeigt sich hier ganz explizit: Es ist sowohl entscheidend was gesprochen wird, als auch wie und von wem – sowie von wem nicht. Wenn eine Facette nicht als normal gilt, so wird sie auch als „anders“ dargestellt und wahrgenommen – in einem ewigen Kreislauf. Ob im Fernsehen, in der Politik oder im eigenen Freundeskreis. Und je weniger mensch Vielfalt kennt, desto einfacher ist die Entmenschlichung der Benannten. Gucken wir uns ein Beispiel an: Die (Mis-)Repräsentation von Trans*Personen.

Entwicklung eines Stereotyps: Historischer Abriss zur Repräsentation von Trans*-Personen in der Popkultur

Zunächst sei eine kurze Begriffsbestimmung von Trans*-Identität gegeben, vor dessen Hintergrund anschließend die filmische Repräsentation betrachtet wird: Das ICD-10 beschreibt Trans*-Identität (dort „Transsexualität“[1] genannt) als Wunsch, „als Angehöriger des anderen anatomischen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit dem Gefühl des Unbehagens oder der Nichtzugehörigkeit zum eigenen Geschlecht[2] einher. Es besteht der Wunsch[3] nach hormoneller und chirurgischer Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.“ Der Konflikt zwischen dem biologischen und dem empfundenen Geschlecht führt häufig zu inneren Widersprüchen und Leidensdruck, die sich u.a. in allgemeiner Unzufriedenheit mit den körperlichen Geschlechtsmerkmalen bis hin zum Suizid äußern können (die Suizidrate bei trans*-identen Personen liegt bei 15%). Auch soziale Isolation, Depression, Ängste, Aggressionen oder selbstzerstörerisches Handeln können Folgen sein (vgl. Vetter 2010: 62-63 u. 170-171).

Als Benannte zeichnen sich Trans*-Personen also dadurch aus, dass sie ihre mit der Geburt (d.h. extern) zugewiesene geschlechtliche Rolle bzw. die Präsentation, die mit dieser einhergeht (in der Heteronormativität bspw. männlich = dominant, weiblich = unterwürfig), ablehnen. Der Norm-Mensch ist hingegen biologisch männlich und nimmt diese Rolle auch an.

Als Fazit ist (vor dem in Kürze folgenden Kontext) hervorzuheben, dass bei Trans*-Identität die eigene Persönlichkeit und deren Entwicklung im Kontrast zu heteronormativen Erwartungen der Gesellschaft (in Bezug auf das Geschlecht) im Fokus steht; auch spielt Sexualität (zunächst) eine untergeordnete Rolle[4].

Die Anerkennung der trans*-geschlechtlichen Identität (sozial, juristisch, etc.) hat sowohl in den USA, als auch in Deutschland einen langen Weg hinter sich. Während Homosexualität 1973 aus dem DSM, 1991 aus dem ICD-10 gestrichen wurde und somit nicht mehr als Krankheit galt, wird Trans*-Identität bis heute noch pathologisiert[5] und teils mit Sexualität (speziell Fetischismus[6]) in Zusammenhang gebracht, statt einer Identität. Hier soll nicht weiter diskutiert werden, inwiefern eine (teilweise) Pathologisierung sinnig oder diskriminierend ist, jedoch rahmt diese noch aktuelle Grundlage die Sicht auf Trans*-Personen als etwas „anderes“. Trans*-Identität sei konkret negativ beeinflussend (ob für die eigene Person oder die Gesellschaft wird sich noch herausstellen), aber auch veränderbar – nämlich als Krankheit „heilbar“.

Ellis (2021: 12‘47“ – 15‘27“) arbeitet heraus, dass Cross-Dressing[7] besonders in Film zur Visiotypisierung (visueller Stereotyp) von Trans*-Personen wurde/wird, besonders zur Betonung von Assoziationen mit Betrug oder Täuschung. Historisch gesehen überwiege jedoch die Darstellung von crossdressenden Cis-Männern als neutral oder komödiantisch; Ellis zitiert Popkultur- und Literatur-Beispiele wie die Ilias, Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ oder den 1959 Film „Manche mögen’s heiß“. In all jenen Beispielen ist jedoch die „wahre Identität“ der Protagonisten dem Publikum nicht verborgen, weshalb keine Böswilligkeit impliziert wird (natürlich auch im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Inhalt). Ist die Offenbarung des „wahren Körpers“ der Akteure jedoch mit Schock und Horror verknüpft, so ist die Sinn-Induktion negativ gelagert:

Der 1960 erschienene Alfred Hitchcock Film „Psycho“ wurde offen durch den in den 1950er Jahren aktiven Mörder bzw. Grab- und Leichenschänder Ed Gein inspiriert. In der Öffentlichkeit wurde besonders über Geins Motive spekuliert; Es wurde allgemeiner Konsens, dass eine Verknüpfung zwischen seiner sozialen Isolation aufgrund seiner Mutter und den Opfern, die ausschließlich Frauen waren, bestehe, sowie der Tatsache, dass Gein aus den Körpern seiner Opfer diverse Möbel und Kleidungsstücke fertigte (vgl. Welt.de 2014). Im zuvor genannten Film besteht der bekannte Höhepunkt aus der Enthüllung, dass der männliche Protagonist Norman Bates in Wirklichkeit ein Serienmörder ist – in Frauenklamotten.

„We fail to read the serial killer accurately because he is an embodiment of‚ society’s dominant values‘. As a culture we are so unable to admit or recognize the connection between our dominant forms of masculinity and violent misogynistic crimes that we must attribute some other kind of motive to them besides masculinity. Instead, motive is attributed to perceived gender deviance, in particular,  to men coveting or assuming the mantle of femininity through gender identification or homosexual object choice.“

(Richard Tithecott 1998: Of Men And Monsters: Jeffrey Dahmer And The Construction of the Serial Killer, zit. nach Ellis 2021: 21’58“ – 22‘23“)

Ähnliche Aufdeckungen und Motive finden sich u.a. im 1991 Film „Das Schweigen der Lämmer“ durch den Serienmörder „Buffalo Bill“ – oft ausschließlich mit weiblichen Opfern. Aber auch ohne die tödliche Komponente wird besonders der Körper trans*-identärer Menschen als Witz missbraucht (besonders von Trans*-Frauen), wenn er nicht zu den gesellschaftlichen binären Erwartungen passt, oder die Trans*-Person als „Lügner*in“ dargestellt, da sie „über ihren wahren Körper gelogen“ hat[8] – meist begleitet von der expliziten Darstellung des Ekels der „ausgetricksten“ cis-Männer, die zuvor Interesse an der Person zeigten (vgl. Ellis 2021: 26‘50“ – 34‘46“).

Die US-Amerikanische Non-Profit Organisation GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamiation) analysierte die Darstellung von Trans*-Personen in US Filmen und Serien zwischen 2002 und 2012 und fand, dass sie in 21% der Fälle als Mörder*innen und/oder allgemeine Bösewichte auftraten und in fast einem Fünftel als Sexarbeiter oder Prostituierte arbeiteten (in absoluten Zahlen die häufigste Profession von Trans*-Charakteren) (vgl. GLAAD o.J.).

Der hier versuchte historische Abriss ist sehr verkürzt und oberflächlich, jedoch zeigt sich durchaus, dass Trans*-Personen häufig negativ dargestellt werden; als gefährlich für ihre Außenwelt bzw. die Gesellschaft und als nicht vertrauenswürdig, sowie empathielos. Selbst queere Filme, denen mensch mehr Mitgefühl und Sensibilität zutrauen könnte, laufen Gefahr in diese Stereotypen hineinzuspielen, wenn sie in den heterosexuellen Mainstream geraten (so bspw. der crossdressende Mörder Frank-N-Furter in „The Rocky Horror Picture Show“).

Terf Wars oder: Wie J. K. Rowling lernte, Transphobie zu lieben

Nachdem der Autorin J. K. Rowling Ende 2019 öffentlich transphobische Gesinnung vorgeworfen wurde[9], veröffentlichte sie am 10. Juni 2020 auf ihrer eigenen Website das Essay „J.K. Rowling Writes about Her Reasons for Speaking out on Sex and Gender Issues“ und bewarb es auf Twitter mit dem unoffiziellen Titel „Terf Wars“ (vgl. Rowling 2020).

„TERF“ ist ein Akronym für „trans-exclusionary radical feminist“, d.h. ein Feminismus, der nicht nur auf die Gleichstellung der gesellschaftlichen Rollen der Geschlechter fokussiert ist, sondern der besonders auf der Betrachtung angeblich biologischer „Gegebenheiten“ fußt. Der Aspekt der Trans*-Exklusion findet sich somit in der Auffassung, dass das biologische Geschlecht die Persönlichkeit derart stark und eindeutig binär prägt, dass Trans*-Identität keinerlei internen, sondern externer Faktoren entspringt – Trans*-Personen sind somit wahlweise Opfer oder Täter:

Trans*-Männer seien somit „biologische Frauen“, die Opfer von gesellschaftlichen Geschlechterstereotypen sind und aufgrund von Frauenfeindlichkeit in „das andere Geschlecht“ flüchten. Trans*-Frauen hingegen gelten als Männer, die sich lediglich als Frau ausgeben, um in Frauenschutzräume (bspw. Frauenhäuser, Frauengruppen oder auch Frauentoiletten) einzudringen und „echte Frauen“ bedrohen zu können (vgl. Giese 2019). Parallelen zur populären negativen Darstellung von „Cross-Dressing“ (im Gegensatz zu Trans*-Sein) sollten ersichtlich sein.

An dieser Stelle sei auch zu erwähnen, dass „TERF“ klassisch keine Selbstbezeichnung ist, sondern eine negative Fremdzuschreibung, die die Ausgrenzung der Ideologie kritisiert – verbreiteter ist die Eigenbezeichnung als „radikale*r Feminist*in“. Rowling kritisiert in ihrem Essay die Vorwürfe gegen sie, sowie die Bezeichnung als „TERF“ als frauenfeindlich, da sie sich als Feministin sieht, die für Frauenrechte – und Trans*-Rechte! – eintrete.

Dieser Artikel ist zu kurz, um Rowlings gesamte Argumentation auseinander zunehmen, doch werden folgend einige Schlüsselaspekte beleuchtet, die offensichtliche Parallelen mit der TERF Ideologie haben, welche wiederum stark an die zuvor beleuchtete „Repräsentation“ von Trans*-Identität erinnert.

„Ironically, radical feminists aren’t even trans-exclusionary – they include trans men in their feminism, because they were born women.“ (Rowling 2020)

Rowling lässt durchscheinen, dass das biologische Geschlecht ausschlaggebend ist und bezieht sich im angeführten Zitat ausschließlich auf Trans*-Männer und Feminismus ausschließlich als einer Bewegung für ein Geschlecht, das weibliche, statt auf den Vorteil für die gesamte Gesellschaft – es zeigt sich die Frau als Opfer, das sich verteidigen muss. Diese Grundlage zieht sich durch das gesamte Essay.

Gleichzeitig kritisiert sie den Begriff „TERF“ als „coined by trans activists“ (Rowling 2020) und nennt Statistiken zur Anzahl trans*-identer Personen in Großbritannien:

„Most people probably aren’t aware – I certainly wasn’t, until I started researching this issue properly – that ten years ago, the majority of people wanting to transition to the opposite sex were male. That ratio has now reversed. The UK has experiened a 4400% increase in girls being referred for transitioning treatment. Autistic girls are hugely overrepresented in their numbers.“ (Rowling 2020)

Warum werden zunächst nur biologisch männliche Personen benannt? Welche Intention steht hinter der Formulierung „the ratio has now reversed“? Warum wird das prozentuale Wachstum von 4.400 % ohne Zitation genannt, statt der absoluten Zahlen von 32 Personen im Jahr 2010 zu 1.740 im Jahr 2019 (vgl. NHS 2019) – einem Zuwachs der deutlich geringer klingt und wahrscheinlich mit wachsendem gesellschaftlichen Bewusstsein für die Thematik zusammenhängt? Warum ist der Fokus auf der aktiven Verweisung durch Ärzt*innen, statt der Geschlechtssuche der betroffenen Kinder? Warum werden zuletzt speziell autistische Kinder benannt, obwohl dies im gesamten Essay bis dahin kein Aspekt war?

Allein die Formulierung dieses Zitats lässt anmuten, dass Rowling „Trans*-Aktivistin“ und Trans*-Identität, aber auch sympathisierende Ärzt*innen als eine zunehmend größere Gefahr wahrnimmt, besonders für biologisch weibliche Personen. Trans*-Identität sei somit wieder extern beeinflusst und Rowlings Verständnis zeigt sich auch in ihrer Beschreibung ihrer eigenen Jugend, in der sie sich „mentally sexless“ (Rowling 2020) fühlte und klassische Weiblichkeit teils unangenehm wahrnahm:

„As I didn’t have a realistic possibility of becoming a man back in the 1980s, it had to be books and music that got me through both my mental health issues and the sexualised scrutiny and judgement that sets so many girls to war against their bodies in their teens. Fortunately for me, I found my own sense of otherness, and my ambivalence about being a woman […] in spite of everything a sexist world tries to throw at the female-bodied […].“ (Rowling 2020)

Die von TERFs beliebte und bereits benannte Argumentationskette in Hinblick auf den Schutzraum “Frauentoilette” ist ebenfalls präsent in Rowlings Essay, doch sollte die Ausführung für diese Arbeit genügen, um zu zeigen, inwiefern das Missverständnis und regelrechte Feindseligkeit gegenüber Trans*-Personen durch die Popkultur der letzten Jahre bekräftigt wurde.

Fazit

Sprache ist mächtig. Wenn ich mir Rowlings Essay durchlese, glaube ich viel Schmerz, aber auch Empathie herauszulesen und den Wunsch, dass es allen Menschen gut geht. Ich glaube aber auch, dass es ihr ihre persönliche Erfahrung (besonders auch als Überlebende sexueller Gewalt) zusammen mit der präsenten negativen Präsentation von Cross-Dressing und Trans*-Identität erschweren, sich in die Position der Trans*-Gemeinde zu versetzen – losgelöst von den Stereotypen und nicht als Gefahr. Ich glaube außerdem, dass sie wahrscheinlich nicht zu so einem extremen ideologischen Punkt gekommen wäre, wenn die filmische Unterstützung ihrer Sorgen nicht so existiert hätte.

Repräsentation alleine ist natürlich nur ein Teil, der zu einer diskriminierungsfreieren Welt beitragen kann, wird jedoch aus meiner Perspektive häufig unterschätzt. Inwiefern dies negativ geschehen kann, habe ich hiermit hoffentlich gezeigt. In der jungen Vergangenheit gibt es glücklicherweise häufiger Beispiele[10] von Trans*-Personen in Film und Fernsehen, die als versatile Menschen dargestellt werden und auch häufiger Personen des öffentlichen Lebens, wie Laverne Cox oder Elliot Page, die ein vielfältigeres Bild zeichnen und für mehr Verständnis durch Repräsentation sorgen.


[1] Da die Trans*-Identität in den Bereich des Geschlechts bzw. der Geschlechteridentität fällt, ist der Begriff „Transsexualität“ veraltet und steht teils in der Kritik, da bei jener Benutzung der Eindruck entstehen könnte, die Trans*-Identität hätte (zwangsläufig) mit der sexuellen Orientierung zu tun (vgl. Vetter 2010: 32-33).

[2] Hiermit gemeint ist höchstwahrscheinlich das biologische Geschlecht, welches von der Ges-chlechtsidentität bzw. dem sozialen Geschlecht abzugrenzen ist und dessen Bezeichnung als „ei-genes Geschlecht“ von der Autorin stark kritisiert wird.

[3] Auch diese absolutierende Aussage wird von der Autorin kritisch betrachtet, da Trans*-Identität außerhalb des explizit pathologischen Feldes eine Selbstbezeichnung ist und nicht zwangsläufig medizinische Eingriffe erfordert.

[4] Siehe hierzu auch die „erarbeitete Identität“ queerer Personen im Vergleich zu cis-heterosexuellen Personen nach Timmermanns (2017: Straight and gay – Anforderungen und Schwierigkeiten in Bezug auf Homosexualität in der männlichen Identitätsfindung. In: Stiftung Männergesundheit (Hrsg.) (2017): Sexualität von Männern. Dritter Deutscher Männergesundheitsbericht. Gießen: Psychosozial-Verlag) auf Basis Marcias Modell der Identitätsstatus (1966: Development and Validation of Ego-Identity Status. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1966, Vol. 3, Nr. 5, S. 551-558.).

[5] vgl. u.a. ICD-10 F64.0 “Transsexualismus”, F64.1 “Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen”, F64.2 “Störung der Geschlechtsidentität im Kindesalter”, etc.

[6] vgl. u.a. ICD-10 F65.1 “Transvestitischer Fetischismus”

[7] d.h. schlicht „das Tragen von Kleidung, Schmuck u.Ä. des anderen Geschlechts“ (Dudenredaktion o.J.)

[8] Ellis führt Beispiele an wie 1991 „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“, 1992 „The Crying Game“, 1994 „Die nackte Kanone 33⅓“, 1994 „Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv“; im 21. Jahrhundert u.a. 2005 „Jungfrau (40), männlich, sucht …“, 2011 „Hangover 2“ (vgl. Ellis 2021: 26‘50“ – 34‘46“)

[9] Dies aufgrund ihrer Unterstützung von Maya Forstater, deren Arbeitsvertrag nach mutmaßlich transphoben Äußerungen auf Twitter nicht verlängert wurde – in den Medien wurde stattdessen häufig fälschlicherweise berichtet, Forstater hätte ihren Job „verloren“ (vgl. BBC.com 2019). Jene missgünstige Formulierung wählt auch Rowling in ihrem Essay (vgl. Rowling 2020).

[10] u.a. Hedwig in „Hedwig and the Angry Inch (2001), Sophia in „Orange is the new Black“ (2013-2019), Nomi in „Sense8“ (2015-2018), Syd in „One Day at a Time“ (2017-2020), Jules in „Euphoria“ (seit 2019)